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Der Farbenkreis hat sich geschlossen
Zum 1. Dresdner Asian Filmfestival im Mai 2003 wählten wir ein Motiv aus
Zhang Yimous "Hero" für Plakat und Programmheft. Der Kenner asiatischer
Filmkunst weiß, dass vier Farben Yimous Film durchziehen. Rot, Blau, Grün
und Weiß. Was das Programmheft betrifft, sind wir bei der vierten
Farbe angelangt, beim vierten Festival also auch. Man darf beginnen, von
Tradition zu sprechen.
Nachdem zum ersten Festival eine Retrospektive der Filme Yimous das Programm
beherrschte, widmen wir uns in diesem Jahr dem zweiten bedeutenden Regisseur,
der das chinesische Kino in der restlichen Welt populär gemacht und damit
das Tor für spektakuläre internationale Großproduktionen geöffnet hat
- Chen Kaige. Leider fällt seine Werkschau
nicht so vollständig aus, da wir aus Gründen ungeklärter Rechte zwei seiner
wichtigsten und bereits zugesagten Filme "Die Weissagung" und "Lebewohl,
meine Konkubine" aus dem Programm nehmen mussten. Doch mit seinen vier
aktuellsten chinesischen Filmen (er leistete sich einen Fehltritt nach
Hollywood) ist er im Programm vertreten. Unvermeidlich vertreten sind
auch wieder einige noch nicht bekannte Bollywood-Produktionen.
Da sich der REM-Filmverleih diesem Thema so emsig widmet, dass unmöglich
alles vorhandene Material gezeigt werden kann, gibt es, dem Wunsch zahlreicher
Fans folgend, Neues und Bekanntes mit Shah Rukh
Khan. Weitaus weniger erfreulich werden ganz gewiss die Begegnungen
mit den Filmen des Japaners Takashi Miike
ablaufen. Nach einigen wenigen Vorstellungen in Dresdner Kinos besteht
jetzt bei einer Reihe von fünf Filmen erstmals Gelegenheit, sich ein komplexeres
Bild über den Meister des stilisierten Horrors zu machen. Es besteht jedoch
durchaus Grund zu dem Hinweis, dass der Umgang des in Japan vergötterten
und in der internationalen Kulturkritik hoch geschätzten Regisseurs mit
Gewaltdarstellungen europäische Sehgewohnheiten weit überschreitet und
nicht jedermanns Sache ist. Nicht ganz so modern, aber nicht weniger heftig
kommt uns der Samurai-Klassiker Lone Wolf & Cub
in sechs Teilen daher. Nach einem legendären Manga inszeniert, erleben
wir die Lebensgeschichte eines einsamen, verwitweten Samurais, der mit
seinem kleinen Sohn durch die Lande zieht und als Auftragsmörder seinen
Lebensunterhalt verdient. Was sich an überflüssigem Blut über die Leinwand
ergießt, wird durch die emotionalen Szenen zwischen Vater und Sohn mehr
als wettgemacht. Wichtig ist auch der Tatbestand, dass jeder Lone Wolf
& Cub - Teil eine in sich abgeschlossene Geschichte darstellt und also
alle Filme auch als Einzelstücke genossen werden können. Das Asien nicht
erst im fernen Osten, sondern bereits in den sehr nahen politischen Problemzonen
der heutigen Welt beginnt, wollen wir mit drei Filmen zum Thema:
Iran berücksichtigen. Mit zwei Filmen ("Kinder des Himmels"
und "Der Tag, an dem ich zur Frau wurde") wird iranischer Alltag gesellschaftskritisch
geschildert. Ob solch wunderbare Filme unter Irans heutigem System noch
möglich sind, weiß noch niemand. Das westliche Politiker nicht nur Krieg
gegen den Iran, sondern sogar den Einsatz von Atomwaffen erwägen, ist
allerdings noch perverser als die Brandreden des iranischen Präsidenten.
Vor solcher Politik warnen soll "Kilometre Zero", eine Groteske über den
Iran/Irak-Krieg. Vielleicht wäre es ja wirklich gut, wenn sich einige
Politiker unsere Filme über die stets friedfertige Religion
im Fernen Osten anschauen würden. Zahlreiche weitere Filmbeiträge
und ein Rahmenprogramm mit asiatischer Kampfkunst, asiatischer Tanzkultur
und asiatischen Speisen runden das Programm ab.
Ob wir im nächsten Jahr das Programmheft wieder in Rot herausbringen oder
ob wir Yimous Farbenreigen neue Farben hinzufügen, ist noch nicht entschieden.
Wohl aber, dass es auch ein 5. Asian Filmfestival in Dresden geben wird.
Doch jetzt freuen wir uns erst einmal auf das vierte. Frank und Conny
Apel
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